Leben in Collioure

Collioure ist unser September-Sehnsuchtsort: Wärme und Sonne, Meer und Berge, Kunst und Kultur, Einheimische und „andere Franzosen“, Märkte und Kommerz, Düfte und Blüten, Weite und Enge…

Weite und Enge

Collioure schmiegt sich an Felsen. Steht man oben auf der Burg oder auf dem Hochplateau fühlt man unendliche Weite in sich. In der Regel begegnen sich gegen 19 Uhr „Lady Sunshine und Mr. Moon“ (anders als im Lied). Während die Abendsonne ihr goldenes Licht auf die Berge und den Ort wirft, erhebt sich der Mond in silbrigem Licht auf der gegenüberliegenden. Dazwischen ganz unten der Ort mit seinen sandigen Mauern und das Meer bis zum Horizont. Manchmal erscheinen Himmel und Meer, Berge und Ort rosarot.

Am Tage schauen wir von der anderen Seite auf den Ort hinab. Eine Wanderung führt uns an einer Eselfamilie, die uns lautstark mit einem mächtigen „IA“ begrüßt (auch ein Pferd ist dabei), und an Weinstöcken (die Weinlese ist in vollem Gange), vorbei zur Fort St. Elme hoch oben. Hier stehen wir staunend über das Freiheitsgefühl in uns bei den herrlichen, klaren Sichten sehr weit übers Land.

Aber das Meer kann auch anders: Stürmisch und Egon die Hosen nass.;)

 Steigt man hinunter in die alten engen Gässchen, wo gelebt wird, wo die Wohnungen oft ebenerdig, etwas unaufgeräumt sind, ist auch die Armut zu Hause. Auf den ersten Blick aber wirken die Gassen malerisch mit den kleinen Türen und blauen Fensterläden und den Blumen davor. 

Wärme und Sonne

Das sind die Gründe, weswegen wir Ende September nach Collioure reisen. 3 Strände bietet der kleine Ort, wir baden stets am kleinen Strand hinter der Kirche. Wenn wir uns sonnen, hören wir die Glocken zum Gottesdienst läuten. Ansonsten ist es sehr ruhig, auch dann, wenn Touristen hinauf zur kleinen Kapelle laufen oder über die Steinbrücke zum Leuchtturm. Das Wasser ist glasklar. Kleine und größere Fische glaubt man, mit der Hand fischen zu können. Wasser, Baguette und Melone (insgesamt 3 €) im Gepäck sind wir glücklich: Schwimmen, Essen, Sonnen.

Strand und Meer sind unser Lieblingsaufenthaltsort: Schwimmen, lesen, sonnen, schwimmen, lesen, sonnen… –

Märkte und Kommerz

Geht man hinunter zum Strand, kommt man an allerlei hübschen Boutiquen vorbei, vor und in denen es immer Neues zu entdecken gibt. Liebevoll werden Bade-, aber auch schon Herbstmoden auf die Schaufensterpuppen drapiert, die oft auch vor den Läden stehen, so als gehörten sie zu den Vorübergehenden. Täglich in neuem Outfit. Auch Schmuck, Taschen, Gürtel, Seife, Nougat u.v.a.m. erfreuen das Auge. Dieser Gang hinunter zum Strand ist täglich eine Herausforderung. Alles ist so schön und natürlich könnte man alles gebrauchen.

Anders auf den Märkten. Hier werden wir immer schwach. Wir tun so, als seien wir Franzosen, die für die eigene Küche einkaufen (tun wir ja auch und auch französisch fühlen wir uns schon). So ein Markt nimmt ja alle Sinne in Beschlag: Die Ohren klingen vom Feilbieten der Waren und den Gesprächen über deren Qualität und Besonderheiten, die Augen gehen uns über von den Farben der Angebote und die Nase erst! Auf den französischen Märkten riecht man quasi ganz Frankreich: Gewürze, Seife, Wurst, Käse, Fisch, gebrannte Kastanien, Pizza, die auf dem Ofen liegt, Paella aus den großen Tiegeln, Knoblauch etc., auch das Parfum der Damen. Vorbei geht es auch an bunter Keramik, Tüchern, Taschen, Schmuck etc.. Am Ende sind unsere Taschen reichlich gefüllt.

Kunst und Kultur

In Collioure gibt es zahlreiche Galeristen und Künstler. Ein Maler sagte uns heute, dass keiner von ihnen hier geboren ist, alle hat die Einzigartigkeit des Ortes hierher geführt. Einige von ihnen stellen wir hier vor:

Philippe-Émile-Castelhac hat sein Atelier in einer wunderschönen Gasse mit bunten katalonischen Häuschen. Er erzählt uns, dass er alles draußen malt. Er braucht Luft und den Anblick von Bergen und Meer, um seine Motive zu gestalten.

In einem kleinen Rahmen an der Wand entdecken wir seine Biographie. Er stellt auch international aus und gestaltet Bucheinbände und CD-Cover. Ein Buch schaue ich mir näher an und erfahre vom Künstler, dass es seine Frau ist, die es schrieb, ein Roman, der im gegenwärtigen Collioure spielt. Wenn wir am Nachmittag wieder kämen, würden wir sie antreffen. Das tun wir natürlich. Später kaufe ich den  Roman von Marie Lande: „Ce matin-là, à Collioure“ (den die Autorin signiert), in dessen Mittelpunkt ein junges Paar steht, dessen Leben perfekt zu sein scheint, aber… . Ich freue mich auf die Lektüre und hoffe, Freude daran an grauen Herbsttagen in Berlin zu haben und mein Französisch zu verbessern.

Der zweite Künstler, Jean Louis Cirillo, in dessen Atelier wir eintreten, ist so vielschichtig wie seine Bilder: Bunt mit kryptischer Symbolik. Einige löst er für uns auf, die meisten bleiben uns verborgen. Die Bilder eröffnen dem Betrachter einen nahezu unendlichen Raum. Es sind Stadtansichten verschiedener Großstädte mit zahlreichen Verfremdungen. Wir erfahren, dass seine Bilder entstehen während oder bei selbst komponierter Musik in seinem Tonstudio; das erklärt sicher auch die Ausstrahlung, die von seinen Werken ausgeht. Er verrät uns, dass er die ganze Nacht durchgearbeitet hat und noch nicht geschlafen – irgendwie ein faszinierender Typ.

Die beiden anderen Künstler, denen wir begegnen, wurden bereits Ende des 18. Jhd. geboren und lebten von 1930 bis zum 2,Weltkrieg im heutigen Hotel „Le Triton“, das sich unmittelbar unter dem Museum für Moderne Kunst in Collioure befindet. Rolande Dchorain war die Ehefrau von Henry Vergé-Sarrat. Beider Bilder, unterstützt von zahlreichen alten Ansichtskarten, stellt das o.g. Museum aus – eine kleine, feine Ausstellung! Hier eine kleine Kostprobe:

Die schöne Gegend um Collioure regt uns natürlich zu allerlei eigener Kreativität an. Hier einige wenige literarische und malerische Auszüge aus unserem „Journal intime“

 

Mitgenommen ins Leben

  • eine Menge gute Laune und viel Vitamin D
  • eine große Portion Gesundheit für Körper, Geist und Seele
  • französisches „laissez-faire“
  • die Erfahrung, lieber auf Märkten einzukaufen, als im Supermarkt, denn man kann handeln, es ist frisch aus der Region, der Produkteur verkauft selbst, und man erfährt eine Menge wahrer und unwahrer Anekdoten über Land und Leute
  • allerlei hübsche Souvenirs für unsere Lieben zu Hause
  • Horizonterweiterung in jeder Hinsicht
  • EU ist toll!!!

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