Immer neugierig bleiben: Unser erstes Zuckerfest

Erstmals entschließen wir uns, zu einem Zuckerfest zu gehen. Die Mitarbeiter*innen des Willkommensbüros in Schöneweide haben in die Villa Offensiv eingeladen. Wir gehen mit gemischten Gefühlen. Fremdheitsgefühl macht sich breit. Ich finde nicht wirklich einen Zugang zu dieser Religion und somit auch nicht zum Fastenmonat. Ich weiß, dass der Ramadan zur Religion gehört. Ich kann mich schwer damit anfreunden, dass man während des Tages auch nichts trinken kann. Ich weiß, dass währenddessen erst nach Sonnenuntergang gegessen wird. Erfahren habe ich auch, dass die erste Mahlzeit am Abend nach Sonnenuntergang Frühstück heißt, dass das Zuckerfest eigentlich 3 Tage andauert, dass man sich gegenseitig besucht und wertschätzt.

Ich habe auch Nadia aus Afghanistan, die ich seit 2015 kenne, mit ihrer Familie eingeladen, war mir aber unsicher, ob sie tatsächlich kommen kann.

Große Überraschung, als wir in die Villa eintreten: Ein superschönes Buffet, ein Angebot aus arabischer, persischer, afrikanischer und deutscher Küche. Wir sind überwältigt.

Als erstes unterhalte ich mich mit einer jungen Syrerin. Sie entschuldigt sich, dass sie noch keine Zeit hatte, sich schön zu machen, da, als sie ihre Tochter von der Kita abholte, diese unbedingt gleich zum Fest gehen wollte. An diesem Tag zieht man neue Sachen an, man geht zum Friseur, dann in die Moschee und anschließend zum Fest. So jedenfalls wird es mir übermittelt.

Mitten in diesem Gespräch taucht Nadia auf. Mitgebracht hat sie einen großen Topf von ihrem Reis mit Hähnchen, ihr Mann in seinem Festgewand, die Jungs in neuen Hemden und Hosen und mit frischem Haarschnitt. Mama und Tochter in neuen Kleidern. Die Freude ist auf beiden Seiten sehr groß. Sie sehen so schön aus. Von Nadia erfahre ich eine weitere Tradition. Bei ihr zu Hause in Afghanistan wird drei Tage gefeiert. Dabei ist es wichtig, dass jede Familie ein Schaf schlachtet. Das Fleisch lässt man Bedürftigen zukommen. Es werden wohl auch Geld und andere Wertgegenstände gespendet.

Das Essen ist köstlich! Wir probieren uns durch die Leckereien, kommen mit tollen Menschen in Kontakt, alle sind so wunderbar zurechtgemacht. Dann erklingt Musik, zuerst wirkt sie etwas fremd, dann aber reißt die junge DJane alle mit. Es ist ein schöner Anblick, so viele frohe Menschen zu sehen, die miteinander feiern. Kein Alkohol, keine Zigaretten, die Kinder unterschiedlicher Nationen auf dem Spielplatz. Wir danken den Gastgebern.

Mitgenommen ins Leben

  • Immer neugierig bleiben, um Vorurteile im Umgang mit fremden Traditionen abzubauen.

Links

  • offensiv’91 e.V. ist ein Verein für soziale und kulturelle Dienste für Frauen, Familien, Kinder und Jugendlichen.
  • ineraxion ist ein Willkommensbüro für Neuankommende in Treptow-Köpenick