Kiezspaziergang Steglitz

Endlich nehmen wir unsere Kiezspaziergänge wieder auf. Anlass dafür gibt mein Herz. Es schlägt nicht mehr so freudig für „meine Stadt“ wie sonst. Ich mache mich seltener auf in „die Stadt“. Sie erscheint mir nicht mehr sehenswert, liebenswert, besuchenswert…

Das möchte ich ändern. Ich möchte mein Berlin wieder so fühlen, dass ich es liebe samt seiner Schwächen, dem Schmutz, der Schnoddrigkeit, dem Halbfertigen, den ständigen Baustellen. So wie die Touristen Berlin meiden, tue ich es auch. Ich bleibe im schönen Randstadtbezirk Treptow Köpenick.

Mit der S47 geht es bis Südkreuz, weiter mit der S41 nach Bundesplatz und von dort aus mit der U9 nach Steglitz. Es ist ein trüber, kalter Apriltag.

Wir verlassen die U-Bahn am Rathaus Steglitz und stehen inmitten eines Marktes! Und was für ein toller Markt! Fast so schön wie in Frankreich. Nichts, was es nicht gibt: Blumen, Gewürze, Fisch, Gemüse, Klamotten, Accessoires, Ledersachen – alles in Top Qualität. Die Farben und Gerüche, die netten Markthändler lassen unsere Stimmung sofort steigen, obwohl es beginnt zu regnen. Mitten auf dem Herrman-Ehlers-Platz, inmitten der Marktstände steht eine riesige Spiegelwand mit den eingravierten Namen und Bildern von deportierten und ermordeten Mitgliedern der jüdischen Gemeinde. Ich finde es gut, dass das Denkmal inmitten des Markttreibens steht, so kann es nicht vergessen werden.

Uns treibt es weiter. Zwei Villen wecken unser Interesse:

Die Villa Fellgiebel, die vom Nachrichtenexperten Erich Fellgiebel während des Faschismus’ bewohnt war. Später war er am Sturz Hitlers durch Stauffenberg beteiligt und wurde hingerichtet. Der imposanten Villa sieht man die Geschichte nicht an.

Die Schwartzsche Villa, 1898 als Sommersitz der Bankiersfamilie Schwartz erbaut, beherbergt heute nach einer wechselvollen Geschichte ein Kunst- und Kulturzentrum mit einem Café, in dem behinderte Menschen arbeiten. Hier essen wir, statt in einer Kette im „Schloß?“. Im Sommer muss der Außenbereich herrlich sein.

Um die beiden letzten Stationen, den Titania Palast, hier fanden 1951 die ersten Berliner Filmfestspiele statt, und den Bierpinsel, ein Popart-Bau, dessen Zukunft ungewiss ist, zu erreichen, flanieren wir die Schloßstraße entlang. Ich muss sagen: Das ist wirklich eine tolle Einkaufsstraße mit einem reichen Angebot an schönen Geschäften! Die großen Einkaufstempel hebe ich mir für später auf. Wir entscheiden uns für das größte Naturkaufhaus der Welt. Wer etwas Hochwertiges sucht und sich im Konsumzeitalter gut fühlen will, ist hier richtig.

Meine Sicht auf Berlin hat dieser Spaziergang nicht geändert. Berlin ist Berlin. Alles existiert neben- und durcheinander. Das zeigen die letzten Fotos. Aber in die vielen Details in Natur und Architektur lassen mein Herz für diese Stadt schlagen, denn die Weltscheint in Ordnung hier mit den vielen Menschen verschiedenen Alters und unterschiedlicher Nationen.

Mitgenommen

Schöne Eindrücke, ein paar Sportschuhe, Lust auf mehr.

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