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Nachdenken
Warum schieben sich Pinsel oder Kamera zwischen mich und das Sichtbare? Ist es Faszination, ist es Verlustangst, ist es Festhalten oder ist es Mitteilen. Vielleicht möchte ich etwas schaffen, was bleibt. Vielleicht möchte ich herausfinden, was ich gerade fühle oder denke. Vielleicht möchte ich Zeit und Raum oder Inhalt und Form finden, um zu leben oder zu streiten. Vielleicht ist es ein Festhalten des Augenblicks, weil man mir etwas genommen hat oder alles vergeht.

Ich fühle mich mit dem Schönen und mit der Freude verbunden. Wenn ich Hässliches spüre, dann suche ich nach einem Gegenentwurf oder wende mich ab.

Es gibt Zeiten, wo das Nichts oder das Nichtgelingen mich regieren. Kein Anfang kein Ende. Alles farblos oder neblig. Eine Zeit des Wartens auf die Gelegenheit oder die Inspiration. Sollte etwas entstehen, das einen Wert für andere besitzen könnte, dann zeige ich es.

Egon Höcker

Es begann an dem Tag, da ich zum ersten Mal mit Tinte, d.h. einem Füllfederhalter (man füllte ihn zu Hause in einem Tintenfass), in mein Schulheft schreiben durfte. Das war 14 Tage vor Weihnachten des Jahres 1959. Ich schlug das Schreibheft auf voller Vorfreude, gleich einen ersten Buchstaben, ein erstes Wort mit meinem Federhalter zu schreiben. Ich öffnete die Hülle und roch die Tinte, sah, wie meine Hand schrieb. Alles stand in meiner Macht – ob ich schreibe und wie, auch was. Natürlich gab die Schule einen engen Rahmen vor, was mir jedoch überhaupt nichts ausmachte. Ich schrieb alles gern: Übungen, Diktate, Tafelbilder ab, Übersichten und natürlich Aufsätze – diese besonders. Auch wenn ein Thema vorgeschrieben war, empfand ich noch genug Freiheit beim Formulieren meiner Gedanken, beim Aufbau meiner Texte. Ich spürte eine gewisse Macht. Ich ahnte die Tragweite des Schreibens: Ich kann etwas aufschreiben, das so vielleicht schon einmal jemand gedacht haben mag, aber nur ich werde es in dieser Form, mit diesen Worten aufschreiben – so, wie ich es will; und das, was ich sagen will. Vor allem auch, ich kann weglassen, manches bleibt mein Geheimnis.

Diese Faszination ist bis heute geblieben – und während ich jetzt auf dem Laptop schreibe, sehe ich ein weißes Blatt und einen Füllfederhalter vor mir und alle Buchstaben und Wörter gehorchen mir, werden zu Worten, Sätzen und Sinneinheiten, Gefühlen, Haltungen, Geschichten und Texten, mitunter sogar zu Büchern.

Schreiben ist mein Leben. Ich kann nicht leben ohne zu schreiben. Ich erlebe, wenn ich schreibe, mitunter mehr als „im Leben“.

Marion Höcker